400 Zuhörer verfolgen Vanessas musikalischen Wandel zum Deutsch-Pop

13. Juni 2009

Eigenes Album mit zwölf Titeln soll noch in diesem Jahr erscheinen

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WETZLAR. Vanessa Jean Dedmon bleibt am Ball - auch drei Jahre nach ihrem Erfolg als Drittplatzierte bei der dritten Staffel der RTL-TV-Casting-Show „Deutschland sucht den Superstar“. Auch wenn es eher ruhig um die mittlerweile 22-Jährige Hermannsteinerin geworden ist, feilt sie weiterhin an ihrer Gesangskarriere, schreibt sich zusammen mit ihrem Manager Matthias Eickenroth deutschsprachige Pop-Songs auf den Leib und huldigt nach wie vor den Zusammenhalt ihrer Familie. Am Samstagabend hat die Sängerin in ihrem Heimatörtchen im dortigen historischen Hofgut Hermannstein ihren musikalischen Wandel zur „neuen“ Vanessa mit einem Konzert demonstriert. Rund 400 Fans, Freunde, Bekannte und Neugierige lauschten zweieinhalb Stunden lang inmitten der romantischen Fachwerk- und Burgruinen-Kulisse zunächst zwei Blöcken mit englisch-sprachigen Coverssongs wie Oleta Adams’ „Get Here“, Tina Turners „Simply the best“ oder Aretha Franklins „Respect“ und schließlich dem Set mit sechs eigenen Liedern auf deutscher Sprache. Dieses wurde am Ende mit stehenden Ovationen und Zugaberufen gewürdigt. Doch zuvor hieß es für Vanessa, ihre Zuhörer immer mal wieder aus der Reserve zu locken. Das fiel ihr nicht gerade leicht, denn Vanessa scheint immer noch beim Reden mit ihrer Schüchternheit zu kämpfen. „Ich bin so aufgeregt, ich weiß gar net, was ich sagen soll. Ich bin nicht so der Redner“, gesteht sie ganz zu Beginn ein und babbelt dann doch bei ihren Ansagen im lockeren Hermannsteiner Hessen-Slang los. Etwas besser ist es also doch um ihre Sprechrolle geworden. Umso mehr in ihrem Element ist die ehemalige „Superstar“-Anwärterin aber beim Singen. Eine angenehme warme soulige Stimme hat sie sowieso. Unterstützung erhält sie bei den Coversongs von ihrer Begleitband, die aus teils professionellen Musikern des Rhein-Main-Gebietes: Jan Stürmer (Gitarre, Aschaffenburg), Kai Kessler (Bass, Gelnhausen), Jan Miro (Keyboard), Thomas Elsner (Schlagzeug, Frankfurt) und Caroline Wasiliew (Background-Gesang, Büdingen) geben sich als solide Partner. Als ein Höhepunkt der ersten großen Runde entpuppte sich der der Spice-Girls-Hit „Mama“: Mit diesem Lied, das Vanessa mit ihrer Schwester Latascha im Duett anstimmte, wollte sie sich bei ihren Eltern Waltraud und Russell Dedmon für die ständige Unterstützung bedanken. Entsprechend hat das Geschwister-Duo die „Mama“-Refrains auch durch „Papa“-Zeilen ergänzt.
Dann der Solo-Auftritt von Vanessa mit ihren neuen Liedern und nur begleitet vom intrumentalen Playback: Die Musik klingt pop-orientiert; die Texte lassen glauben, als hätte die noch recht junge Sängerin einen Beziehungsritt einer Mittdreizigerin hinter sich. Gleich die erste Nummer „Scheißherz“ kommt im groovenden R’n’B-Sound daher und beschreibt das Nichtloslassenkönnen vom „Typ mit dem sexy Silberblick“. Die anderen fünf Songs - unter anderem die Balladen „Ich liebe dich nicht mehr“ und „Ich allein“ oder das locker-luftige „Die Zeit steht still“ verfolgen die Popschiene einen Schritt mehr und müssen stellenweise aufpassen, das Gleis nicht in Richtung Schlager zu verlassen. Während „Scheißherz“ vergleichbare Züge vom Stil Casandra Steens in sich trägt, wären die anderen auch im Repertoire von Yvonne Catterfeld denkbar. Auf jeden Fall steckt in Vanessas neuen Lieder eine Menge Potenzial - sowohl radio- als auch hittauglich. Nur muss es auch überzeugend umgesetzt werden. Denn besser als die Live-Darbietung in Hermannstein klingen die Hörbeispiele der Studioaufnahmen auf Vanessas Internetseite www.vanessa-jean-dedmon.com. Leider fehlte der Präsentation auf der Bühne der professionelle Biss. Allein eine ansprechendere Bühnen-Optik - wenn Vanessa schon ohne Mitmusiker auftritt - hätte einiges bezweckt. So jedoch fühlte sich der Zuhörer dann doch wieder wie bei einem Auftritt in einem Einkaufscenter oder auf einer Kirmes. Aber die Suche nach einer (wohl auch Geldgebenden Plattenfirma) laufen auf Hochtouren, erste Kontakte bestehen bereits, versichert Manager Eickenroth. Schließlich soll ein komplettes Album - weitere sechs Songs sind im Entstehen - noch in diesem Jahr erscheinen. Die Musik der Songs komme vorproduziert von unterschiedlichen Songschreibern aus England oder den USA, so Eickenroth. Die Texte verfassen Vanessa und ihr Manager selbst. Im Tonstudio des Produzenten Uli Pfannmüller in Altenstadt werde dann Musik und Text aufeinander angepasst, arrangiert und mit Vanessas Gesang aufgenommen. Ein eigenständiges Paket kommt dabei heraus. Wir warten…

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Christina Stürmer zu Besuch “In dieser Stadt” - in Gießen

10. Mai 2009

Die österreichische Sängerin begeistert knapp 1000 Fans in der Messehalle 4

Christina Stürmer (Foto: lademann-presse.de)

Foto: Christian Lademann

GIESSEN.  Sie hüpft und lächelt, sie röhrt und schmeichelt sanft, sie reißt knapp 1000 Fans mit und kann diese auch nachdenklich stimmen - die 26-jährige österreichische Sängerin Christina Stürmer hat am Samstagabend in der Gießener Messehalle 4 mit Vollgas auf ihre Rock-Pop-Tube gedrückt. Das kann sie live besonders gut, wie sie es vor genau zwei Jahren an gleicher Stelle schon bewiesen hatte (damals jedoch 3000 Besucher). Und so prescht die charmante junge Frau begleitet von einer Band sofort mit einem ergreifenden wie aufrüttelnden Song los, der mehr Toleranz einfordert, urbane Anonymität und Einsamkeit beschreibt: „Und du fühlst dich allein in der kleinen verschlafenen Stadt, für dein Anderssein wirst du jeden Tag bestraft.“ Mit großem Gefühl bringt sie ihren Zuhörern die Botschaft nahe, die genauso auf Gießen, also “In dieser Stadt” übertragbar wäre. So lautet auch das Motto Christinas derzeitiger Tournee und der Titel des aktuellen dritten Albums (außerhalb Österreichs), aus dem sie neue Lieder vorstellte. Doch die Fans durften genauso auf Hits der Vorgängerplatten “Schwarz Weiss” und “Lebe lauter” hoffen. Besonders gut standen Christina vor allem die schnellen Nummern wie “Das können wir sein” mit 80er-NDW-artigen technoiden Soundgefiepe, das stampfend druckvolle „Ist mir egal“ oder ältere Dauerbrenner wie „Ich lebe“ oder „Lebe lauter“. Neben diesem temperamentvollen Bühnenagieren besitzt Stürmer aber auch eine Schwäche für schmachtende und tiefgründige Balladen. Die löschen in zu großer Häufung beim Konzert jedoch schnell die Glut, die im feierwilligen Publikum glimmt. Zwar legt die Sängerin mit den sinnlichen Werken „Mehr als perfekt“ oder dem nur von einem Piano begleiteten (Hartmut Kamm) herzergreifenden „Jetzt danke ich dir“ wohlklingenden und mittlerweile ausgewachseneren Nachschub für den Balladenbaum nach, doch die Früchte sind längst noch nicht so reift wie bei den deutschen Genre-Kollegen „Silbermond“. Denn Stefanie Klos ist im überzeugenderen Sinne noch einen Schritt voraus. Wenn dann auch noch Christinas Lieblingsballade „Bleib hier“ so ähnlich melodisch anstimmt wie die Schnulze „Das Beste“ der Bautzener, fragt man sich, wer hier wessen Trampelpfad folgt. Beglückt werden die Fans aber auch mit so eindringlichen Nummern wie „Scherbenmeer“ und letztendlich herbeigewünscht - „Engel fliegen einsam“. Doch die Tanzwilligen brauchten nicht lange warten: Zackig ging es bei „Reiß das Radio auf“ zu, noch einen Tick schneller beim wirbelnden „Jedes Wort“. Dazu holte Christina für ein Duett noch einmal die Sängerin Anna Müller der Vorgruppe „Herbstrock“ auf die Bühne. Auch die Mitmusiker dieser Band ließen es sich nicht nehmen, Handtücher wirbelnd über die Bühne zu hopsen. Das steckte natürlich auch das Publikum an, das ausgiebig der Musik mitfrönte.
Zur Unterstützung für ihre Tournee brachte Christina für das Vorprogramm nämlich die Popband “Herbstrock” aus Wien mit. Das Quartett gefiel mit seinem luftig-lockeren elektro-poppigen Songs, die auch mal mit einer gehörigen Portion Rock angefüttert waren. Fans der Berliner Band “Mia” und in Ansätzen die von “Wir sind Helden” bekamen von Anna, Paul, Mathias und Sebastian einen frischen Aufguss aus der Alpenrepublik. Mit ihrem Debütalbum „Die bessere Hälfte“ im Gepäck sang die quirlige Anna mit frecher Stimme und angetrieben von vorwärts drängender Begleitmusik unter anderem den flockigen Titelsong, das discoartige „Kopf durch die Wand“ oder das sehr agile „Herz Lauf!“. Den Spaß hatten die vier Wiener dabei auf ihrer Seite, und liefen in diesem Faktor beinahe Christina Stürmer an diesem Abend den Rang ab.

— der Konzertbericht erscheint am Montag (11.5.) in den Tageszeitungen “Gießener Anzeiger” und “Wetzlarer Neuen Zeitung”.

An dieser Stelle gibt es ein paar fotografische Impressionen:

Bilder von Christina Stürmer:

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Bilder von “Herbstrock”:

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„Ich liebe es, mit meinem Atem Musik zu machen“

16. März 2009

Interview mit Ernst Hutter, musikalischer Leiter der Egerländer Musikanten

Ernst Hutter (Foto: Christian Lademann/lademann-presse.de)

Ernst Hutter (Foto: Christian Lademann/lademann-presse.de)

MARBURG/WETZLAR. Bei den Titeln wie „Böhmischer Wind“, „Dompfaff“ oder „Wir sind Kinder von der Eger“ geraten Blasmusik-Fans ins Schwärmen. Damit verbinden sie Melodien im Polka-, Walzer- und Marschrhythmus, aber vor allem die hochkarätigen Musiker der „Original Egerländer Musikanten“ und den Namen Ernst Mosch. Er, der „König der Blasmusik“ gründete 1956 zusammen mit Musikerfreunden dieses mittlerweile wohl bekannteste Blasorchester der Welt. Viele der gespielten Musikstücke stammten aus seiner Feder. Doch als der Orchesterchef 1999 verstarb ging eine Ära zu Ende. Nicht jedoch die der „Egerländer Musikanten“. Der Tenorhornist Ernst Hutter, der selbst seit 1985 bei den Egerländern mitwirkt und darüber hinaus Lead-Posaunist der Big Band des Südwestrundfunks ist, übernahm darauf hin die musikalische Leitung (offiziell ab 2003). Am Samstag, 29. März, sind „Ernst Hutter und die Egerländer Musikanten“ zu Gast in der Wetzlarer Stadthalle. Christian Lademann hat Hutter zu einem Interview getroffen.

Wie steht es um die Zukunft der Egerländer Musikanten? Stirbt die Anhängerschar irgendwann aus?

Ernst Hutter: Um die Zukunft steht es besser denn je. Ich bin 1985 zu den Egerländern gekommen. Ich war damals 27 Jahre alt. Die anderen Kollegen, inklusive Ernst Mosch, waren um die 60. Ab da hat es begonnen, dass jüngere Leute die älteren ersetzt haben. Trotzdem waren überwiegend ältere Leute im Publikum. Jetzt sind wir im zehnten Jahr nach dem Tod von Ernst Mosch und wir haben in den meisten Konzerten mittlerweile mehr Altersgenossen unter den Zuhörern als ältere Leute. Wenn ich das mit den Swing Legenden vergleiche: Dort ist der Altersdurchschnitt ungefähr zehn Jahre höher als bei den Egerländern. Zuletzt haben wir sehr viele junge Leute in den Konzerten gehabt. Wir haben natürlich auch in Regionen gespielt, wo die Blasmusik in der Breite der Bevölkerung eine große Rolle spielt, weil es dort viele aktive Musiker gibt. Und für die sind die Egerländer nach wie vor das Maß aller Dinge - was die musikalische Qualität und das bläserische Vermögen angeht.

Wie sieht es mit dem eigenen musikalischen Nachwuchs aus?

Hutter: Ich sehe kein Nachwuchsproblem. Wir haben nach dem Tod von Ernst Mosch umstrukturiert, so wie das im weiten gesellschaftlichen Rahmen immer wieder notwendig ist. Zum Beispiel jüngere Leute ins Orchester zu holen, die dann die Zukunft wieder versinnbildlichen und mit ihren Erfahrungen bei den Egerländern irgendwann wieder zu Entscheidungsträgern werden und die Zukunft in ihre Hände nehmen. Wir haben mittlerweile Musiker dabei, die noch studieren, und ganz junge Profis, die erst um die 30 sind. Ich bin jetzt mit 50 Jahren der Drittälteste. Johann Kaszner und Gerhard Fink sind zwei Jahre älter, die sind beide Jahrgang 1956, ich bin Jahrgang 1958. Ja, wir sind wesentlich jünger geworden. Und das strahlt auch auf das Publikum aus. Junge Leute wollen auch jüngere Musiker sehen. Unser Auftreten und unsere Art zu spielen sind dadurch geprägt, dass wir alle mit den unterschiedlichsten Einflüssen der vergangenen 20, 30 Jahre aufgewachsen sind.

Ernst Hutter und die Egerländer Musikanten (Foto: Koch Universal)

Ernst Hutter und die Egerländer Musikanten (Foto: Koch Universal)

Sie selbst sind auch sehr vielfältig musikalisch aktiv…

Hutter: Alle unsere Musiker spielen noch in anderen Orchestern. Die Egerländer sind schon immer ein Projektorchester gewesen, ein Auswahlorchester. Es gab nur eine relativ kurze Zeit von ungefähr 20 Jahren, in der die Egerländer in fast der gleichen Besetzung teilweise über 100 Konzerte pro Jahr gespielt haben. Aber ab dem Moment, als wir Jungen hinzugekommen sind, war es immer ein Auswahlorchester. Da gab es von Tour zu Tour auch immer wieder andere Musiker. Die hatte Ernst Mosch von Sinfonieorchestern und Big Bands rekrutiert. Wir haben erst jetzt wieder einen richtigen Stamm.

Was hat sich noch verändert?

Hutter: Das wichtigste, was sich verändert hat, ist, dass es keinen Dirigenten mehr gibt. Ich bin in Anführungszeichen nur der musikalische Leiter und stehe dem Ganzen als Verantwortlicher vor. Aber ich spiele auch selbst auf der Bühne mit.

Aber es musste nun wieder eine Person wie sie mit ihrem Namen davor stehen?

Hutter: Das mit dem Namen kam ein bisschen später. Es war aber notwendig. Die Egerländer haben zu Beginn genauso angefangen, wie wir jetzt nach dem Tod von Ernst Mosch. Sie waren eine größere Gruppe von Kollegen, die miteinander Musik gemacht haben - noch ganz ohne Namen. Es gab ja auch andere Kapellen, und es gibt auch heute noch etwa die „Kapelle Egerland“ (aus Mittelhessen, Anm. der Redaktion), die sogar noch ein bisschen älter ist als die  „Egerländer Musikanten“. Die haben auch dieselben Egerländer Trachten getragen. Deshalb war es damals schon notwendig, um keine Verwechslung aufkommen zu lassen, das Orchester mit einem Namen in Verbindung zu bringen.

Warum fiel die Wahl auf sie? Interessanterweise spielen Sie neben dem Tenorhorn auch das gleiche Instrument, also die Posaune, und tragen den gleichen Vornamen wie Ernst Mosch.

Hutter: Ich glaube mit diesen Dingen hatte das gar nichts zu tun, sondern ein bisschen mehr mit Kompetenz. Das mit dem Namen ist ein reiner Zufall. Ernst Mosch hat mich ja damals auch nicht engagiert, weil ich so heiße wie er, sondern weil er einen guten Tenorhornisten gebraucht hat. Das hat auch etwas mit Kontinuität zu tun, also damit, dass ich in dieser Umstrukturierung, die er schon eingeleitet hatte, irgendwie der Leithammel der jungen Generation war. In dem Moment, als er tot war, musste etwas unternommen werden. Da konnte nicht jeder die Leitung übernehmen. Bei mir war das auch mit der Familie abgesprochen. Das hat mit seiner Beerdigung angefangen, die wir gestalten mussten. Das ist mir nicht leicht gefallen. Damals waren wir ja noch zu zweit - Toni Scholl und ich. Wir beide waren zuletzt die Ansprechpartner für Mosch. Der Toni mehr im organisatorischen und ich im musikalischen Bereich. So ist es gekommen, dass wir die Zeit danach organisiert haben. Jetzt stehen wir - zehn Jahre später - als Egerländer wieder ganz gut da. Das hätten uns viele nicht zugetraut.

Worauf darf sich das Publikum beim Wetzlarer Konzert freuen?

Hutter: Diejenigen, die die Egerländer schon immer gekannt haben, darauf, dass die Egerländer so emotionell und so engagiert wie nie zuvor auftreten, dass die Egerländer für ihr Publikum ihr letztes Hemd geben, dass wir ganz tolle, perfekte Musik auf die Bühne bringen und dass wir eine gute Show mit einem sehr guten Moderator und einem mittlerweile sehr guten Gesangsduo bieten. Und natürlich wird musikalisch von den alten Klassikern, mit denen jeder die Egerländer in Verbindung bringt, bis hin zu sehr attraktiven Solonummern wirklich sehr viel geboten.

Besteht das Repertoire nach wie vor aus eigenen bzw. für das Orchester geschriebenen Werken?

Hutter: Das war ja immer ein ganz wichtiges Konzept. Wenn man eine Identifikation mit einem Orchester haben will, muss man eigene Stücke haben, die nicht unbedingt andere Orchester so spielen. Im Fall der Egerländer ist das natürlich so, dass diese Stücke, weil sie so bekannt sind, alle anderen auch spielen. Nur wenn der Musikverein XY und dann die Egerländer die „Fuchsgraben-Polka“ anstimmen würden, dann klingt das wie zwei unterschiedliche Stücke. Wir haben aber wieder neue Kompositionen. Das haben die Leute nach Moschs Tod auch von uns erwartet. In dem Bereich zeigen wir neue Kreativität. Überwiegend haben ich selbst als Komponist und Arrangeur und noch zwei, drei andere Leute - ähnlich wie früher Franz Bummerl und Gerald Weinkopf aus den eigenen Reihen - neue Stücke geschrieben.

Was schätzen sie an Ihrem eigenen Instrument - dem Tenorhorn oder der Posaune?

Hutter: Ich liebe es, mit meinem Atem Musik zu machen. Das ist es, warum ich gerne Bläser bin. An meinem Instrument schätze ich, dass es ein Tenorinstrument ist. Das ist meine sonore Vorstellung. Wenn ich eher höhere Töne schätzen würde, wäre ich Trompeter. Aber Tenorhorn und Posaune sind die richtigen Instrumente für mich. Ich mag die Form, den Ton zu erzeugen. Das ist jeden Abend spannend. Man muss sehr viel dafür üben. Das ist eine Lebensaufgabe. Wenn man als Profi auf der Bühne steht und den Anspruch hat, möglichst perfekt im musikalischen, künstlerischen Sinne schön zu spielen und dem Publikum etwas zu bieten, dann ist das eine große Herausforderung, ein Leben lang.

Sie haben als gleichzeitiger Jazzmusiker also kein Problem damit, böhmische Blasmusik zu spielen?

Hutter: Ich würde das nicht machen, wenn ich keinen Spaß daran hätte. Die meisten Leute, die uns nicht so gut kennen, können sich nicht vorstellen wie nahe es für mich liegt, für die Egerländer und mit einer Jazz-Big-Band zu spielen. Das ist so artverwandt, auch die Art und Weise zu musizieren. Im Jazz kommt nur noch das Wesen der Improvisation hinzu. Ansonsten ist es eine ähnliche Besetzung. So wie wir spielen, spielen wir wie in einer Big Band. Jeder ist mit vollem Herzen dabei. Die Jungs spielen beispielsweise in Bayreuth Wagner-Opern, in sonstigen großen Sinfonieorchestern, mit der Bundeswehr-Big-Band oder ich bei der SWR-Big-Band. Es liegt alles sehr nahe beieinander.

Haben Sie ein Lieblingsstück im Repertoire?

Hutter: Ein Lieblingsstück ist schwer zu benennen, man hat vielleicht bestimmte Beziehungen zu einigen. Eines der wichtigsten Stücke ist aber sicherlich „So ein schöner Tag“. Auch meine selbst komponierten Lieder wie die „Egerländer Spielereien“ oder „Egerländer Festtagspolka“ sind mir wichtig.

Was gefällt ihnen gerade an den genannten so gut?

Hutter: Damit verbinde ich wunderbare Erinnerungen an meine Jugend. Das ist eine ganz persönliche Geschichte. Ich hatte mal eine Freundin, die auch Egerländer-Fan war, genauso wie ich, und wenn wir uns getroffen haben, da gab es in den Musikboxen in den Siebziger Jahren wirklich zehn bis fünfzehn Egerländerstücke drin. Das muss man sich mal vorstellen, das waren Hits. Da war unter anderem auch „So ein schöner Tag“ drin. Diese Freundin war gleichzeitig die Tochter des Wirtes. Immer wenn ich dort aufgetaucht bin, habe ich diesen Titel gedrückt und da war unser Abend gerettet. Die „Egerländer Festtagspolka“ war meine erste Komposition für die Egerländer.

Wie viel Egerland steckt noch in der Kapelle außer der Musik?

Hutter: Ganz wenig. Wir haben nur noch zwei Leute, einer der selbst im Egerland, in Falkenau, geboren ist, und Gerhard Finks Mutter stammt aus dem Egerland.

von Christian Lademann

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